Wien (PK) – Das dritte „Forschungsjahr im Parlament“ trägt dazu bei,
das
Bewusstsein für die Wirkung parlamentarischer Räume zu stärken. Unter
dem Titel „Resonanzräume der Demokratie“ wird sich die promovierte
Kunsthistorikerin Julia Rüdiger im kommenden Jahr mit der
Parlamentsarchitektur im 21. Jahrhundert auseinandersetzen. Sie plant
unter anderem partizipative „Citizen Science“-Workshops mit
politischen Akteur:innen und Bürger:innen und verbindet in ihrer
interdisziplinären Forschung Architekturgeschichte, Raumsoziologie
und Wahrnehmungsforschung. Der von der Parlamentsdirektion für die
wissenschaftliche Forschungsarbeit ausgelobte Werkvertrag ist dieses
Jahr mit einem Honorar von insgesamt 28.500 Ꞓ dotiert.
Parlamentsarchitektur: Neue Form der Resonanz
Julia Rüdiger, die auch zur Architektur von EU-Gebäuden in
Brüssel forscht, stellte in ihrer bisherigen wissenschaftlichen
Auseinandersetzung mit Parlamentsarchitektur einen Paradigmenwechsel
fest: Während im 20. Jahrhundert in der Parlamentsarchitektur
Repräsentation und Würde als zentrale Leitmotive galten, seien heute
bei Architekturausschreibungen Aura, Atmosphäre und Poesie
entscheidend. Dies stehe für eine „Wiederverzauberung“ oder eine neue
Form der Resonanz, so die Forscherin. Mit ihrem für das
„Forschungsjahr im Parlament“ eingereichten Projekt untersucht sie
die These eines neuen Resonanzwillens und will
Gestaltungsentscheidungen in der Parlamentsarchitektur als Ausdruck
eines gewandelten Verständnisses von Demokratie nachvollziehbar
machen.
Das österreichische Parlamentsgebäude bietet insbesondere
aufgrund der erst kürzlich abgeschlossenen Sanierung einen idealen
Ausgangspunkt für Rüdigers Forschung. Mit ihrer Arbeit will sie zu
einer tiefergehenden Einordung der jüngsten Transformation beitragen
und neues Material für die Demokratievermittlung bereitstellen. Zudem
will die Kunsthistorikerin die Architektur des Hohen Hauses durch
ihre Forschungsergebnisse „lesbar“ machen, indem sie aufzeigt, wie
Architektur parlamentarische Kultur prägt und Resonanz zwischen
Institution und Gesellschaft fördert.
Vernetzung von Wissenschaft und parlamentarischer Praxis
Im Jahr 2023 rief die Parlamentsdirektion eine Reihe von
Initiativen ins Leben, um die Vernetzung von Wissenschaft und
parlamentarischer Praxis weiter zu vertiefen. Dazu zählen das
„Forschungsjahr im Parlament“ und der Tag der Parlamentsforschung.
Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen sind seither
jährlich eingeladen, ihre Projekte für ein „Forschungsjahr im
Parlament“ einzureichen. Das Forschungsvorhaben soll einen Beitrag
zur Weiterentwicklung aktueller wissenschaftlicher Debatten leisten
und die für das Projekt gewählten Forschungsfragen sollen für den
parlamentarischen Betrieb relevant sein. Die Auswahl eines besonders
innovativen und exzellenten Projekts erfolgt durch den
Wissenschaftlichen Beirat. Erste Forschungsergebnisse werden jährlich
am Tag der Parlamentsforschung präsentiert und sind auf der Website
des Parlaments abrufbar.
In den vergangenen beiden Jahren absolvierten das „Forschungsjahr
im Parlament“ Bianca Winkler mit ihrem Projekt zu
Wissenschaftsdiskursen im Parlament und Josef Lolacher mit seinem
Projekt zum Thema Entscheidungsfindung von Abgeordneten. (Schluss)
bea
HINWEIS: Details zum Forschungsjahr sind im Webportal des
Parlaments abrufbar.