St. Pölten (OTS) – NÖ Unternehmen exportierten im vergangenen Jahr
laut vorläufigen
Daten der Statistik Austria Waren im Wert von 28,34 Milliarden Euro.
Das entspricht gegenüber 2024 einem Rückgang von 1,1 Prozent. Im
Bundesländervergleich belegt Niederösterreich weiterhin den dritten
Platz.
„Die NÖ Exportunternehmen haben sich 2025 trotz schwieriger
Rahmenbedingungen als widerstandsfähig erwiesen. Die aktuelle
Statistik zeigt aber, wie stark geopolitische Krisen,
Handelskonflikte und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen
unsere Betriebe belasten. Umso wichtiger ist es, jetzt die richtigen
Weichen zu stellen: Wir brauchen wettbewerbsfähige
Standortbedingungen, weniger Bürokratie, leistbare Energie und eine
aktive europäische Handelspolitik. Denn nur wettbewerbsfähige
Unternehmen können Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand
langfristig sichern“, betonen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner,
Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, und
Kari Ochsner, Präsident der IV Niederösterreich.
Deutschland bleibt wichtigster Handelspartner – USA mit
deutlichem Rückgang
Die fünf wichtigsten Exportmärkte Niederösterreichs waren 2025
Deutschland, Ungarn, Italien, Tschechien und Polen. Während die
Exporte nach Ungarn (+0,5 Prozent, 1,86 Milliarden Euro), Italien (+
3,7 Prozent, 1,80 Milliarden Euro), Tschechien (+2,1 Prozent, 1,63
Milliarden Euro) und Polen (+1,0 Prozent, 1,4 Milliarden Euro)
zulegen konnten, gingen die Ausfuhren nach Deutschland um 3,3 Prozent
zurück. Dennoch bleibt Deutschland mit 7,4 Milliarden Euro der
wichtigste Handelspartner. Besonders deutlich fiel das Minus bei den
Exporten in die Vereinigten Staaten aus: Sie sanken um 17,9 Prozent
auf 1,38 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren die anhaltenden
handelspolitischen Unsicherheiten und die US-Zollpolitik, die
Investitions- und Handelsentscheidungen spürbar belasteten.
Industrieexporte bleiben tragende Säule
Die fünf wichtigsten Exportwarengruppen Niederösterreichs sind
Maschinen und mechanische Geräte, elektrische Maschinen und
elektrotechnische Waren, mineralische Brennstoffe und
Mineralölerzeugnisse, Zugmaschinen und Kraftfahrzeuge sowie Waren aus
Eisen oder Stahl. Während elektrische Maschinen und elektrotechnische
Waren (+1,8 Prozent) sowie Waren aus Eisen oder Stahl (+5,8 Prozent)
zulegen konnten, verzeichneten Maschinen und mechanische Geräte (-8,1
Prozent), mineralische Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse (-4,3
Prozent) sowie Zugmaschinen und Kraftfahrzeuge (-6,2 Prozent)
Rückgänge.
LH Johanna Mikl-Leitner: „Sicherheitsbranche braucht einfachere
Exportbestimmungen“
Handlungsbedarf ortet Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vor allem
im Sicherheits- und Verteidigungsbereich. Europa investiert
angesichts der aktuellen Bedrohungslage so viel wie seit Jahrzehnten
nicht mehr in seine Sicherheit und Verteidigung. Damit aber auch
heimische Firmen von diesen Investitionen profitieren können, braucht
es dringend einfachere Exportbestimmungen, so die Landeshauptfrau:
„Frieden braucht Dialog und Diplomatie, aber auch die Fähigkeit, die
eigene Sicherheit zu gewährleisten. Wenn Europa Milliarden in seine
Sicherheit investiert, dann muss davon auch unsere Wirtschaft
profitieren. Unsere Betriebe verfügen über das Know-how und die
Innovationskraft. Sie brauchen aber klare Rahmenbedingungen und
einfachere Exportbestimmungen.“
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker: Neue Handelsabkommen eröffnen
zusätzliche Möglichkeiten
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker sieht insbesondere in den jüngst
abgeschlossenen EU-Handelsabkommen große Chancen: „Erfreulicherweise
konnte die Europäische Union seit Herbst 2025 und im ersten Halbjahr
2026 mehrere neue Handelsabkommen finalisieren, unter anderem mit
Indien. Gerade für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie
Niederösterreich sind diese Abkommen eine Win-win-Situation. Unsere
Betriebe erhalten dadurch Zugang zu neuen Wachstumsmärkten und können
ihre Vertriebs- und Marketingaktivitäten gezielt ausbauen. Mit
unserer Außenwirtschaftsabteilung in Niederösterreich und dem
weltweiten Netzwerk der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKO mit mehr als
100 Stützpunkten unterstützen wir unsere Unternehmen bei der
Erschließung dieser neuen Märkte, bei Geschäftsanbahnungen und
internationalen Kooperationen. Dieses Service wird gerade in
wirtschaftlich herausfordernden Zeiten intensiv genutzt.“
IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner: Wettbewerbsfähigkeit konsequent
stärken
Auch IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner sieht trotz der vergleichsweise
stabilen Exportentwicklung weiteren Handlungsbedarf: „Dass
Niederösterreichs Exporte in diesem schwierigen Umfeld nur leicht
zurückgegangen sind, zeigt, welch guten internationalen Ruf unsere
Betriebe haben. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele
Unternehmen mit hohen Kosten, schwachen Margen und zunehmender
Unsicherheit kämpfen. Neue Handelsabkommen und zusätzliche Märkte
sind wichtig. Sie nützen jedoch nur dann, wenn Betriebe von
Österreich aus zu wettbewerbsfähigen Bedingungen produzieren können.
Dafür braucht es international konkurrenzfähige Standortkosten, einen
massiven Bürokratieabbau und verlässliche Rahmenbedingungen für
Investitionen.“
EU-Binnenmarkt und neue Handelsabkommen bieten Chancen
Auch der europäische Binnenmarkt bietet den heimischen Betrieben
große Wachstumschancen. „Viele europäische Staaten investieren massiv
in ihre Infrastruktur. Das eröffnet unseren Unternehmen zusätzliche
Geschäftschancen. Gleichzeitig bietet die Expo 2027 in Belgrad eine
hervorragende Möglichkeit, Niederösterreichs Wirtschaft noch stärker
in Südosteuropa zu positionieren. Die Wirtschaftskammer begleitet
unsere Exportbetriebe bereits jetzt mit zahlreichen Initiativen“,
erklären Mikl-Leitner, Ecker und Ochsner.
Besonders die EU-Beitrittsperspektiven von Montenegro und
Albanien seien langfristig vielversprechend. „Jeder Schritt Richtung
EU eröffnet unseren Unternehmen neue Marktchancen und stärkt ihre
Wettbewerbsfähigkeit.“
Wiederaufbau der Ukraine bietet große Chancen
Großes Potenzial sehen Mikl-Leitner, Ecker und Ochsner auch beim
Wiederaufbau der Ukraine: „Die Exporte in die Ukraine sind trotz des
Krieges um rund 26 Prozent gestiegen. Das zeigt, welches Potenzial im
künftigen Wiederaufbau steckt. Niederösterreichische Unternehmen
verfügen über Know-how in Infrastruktur, Energie, Umwelttechnik und
Industrie. Wir wollen sie dabei unterstützen, diese Chancen zu
nutzen.“