Schönheit

In der Klinik Donaustadt werden jährlich 5 bis 7 Kinder nach Badeunfällen intensivmedizinisch behandelt

Wien (OTS) – Dass ein Kind untergeht, passiert sehr schnell. Wenige
Sekunden
reichen aus. Die weit verbreitete Vorstellung, dass Kinder beim
Untergehen schreien und wild mit den Armen rudern, ist falsch. Kinder
ertrinken lautlos – meist in unmittelbarer Nähe der Eltern. Daher ist
es fatal, sich bei der Aufsicht nur auf das Gehör zu verlassen.
„Kleine Kinder können beim Untergehen aufgrund der motorischen
Entwicklung den Kopf nicht aus dem Wasser heben – selbst bei wenigen
Zentimetern Wassertiefe, beispielsweise in einem Planschbecken. Wenn
es zusätzlich zu einem Stimmbandkrampf kommt, ist normales Atmen und
Schreien unmöglich“, schildert der Intensivmediziner und Leiter der
Kinder- und Jugendabteilung in der Klinik Donaustadt des Wiener
Gesundheitsverbundes Thomas Wagner.

Zwtl.: 3 Minuten unter Wasser führen zu Schädigung des Gehirns

Das Team der Kinderintensivstation in der Klinik Donaustadt
behandelt im Jahr etwa 5 bis 7 Kinder nach Badeunfällen. Jeder 5.
Badeunfall endet tödlich. Die überlebenden Kinder leiden fast immer
an Folgeschäden. Denn bereits 3 Minuten unter Wasser beeinträchtigen
das Gehirn. „Das Gehirn kann bei einer Sauerstoffunterversorgung
seine Aufgabe nicht mehr erfüllen. Wir versuchen dann im Zuge der
Behandlung zu verhindern, dass es zu einer Verschlechterung dieser
Schädigung kommt“, sagt Thomas Wagner. Dabei wären Ertrinkungsunfälle
vermeidbar. Oftmals wird die Gefahr unterschätzt – vor allem im
privaten Bereich bei ungesicherten Pools oder Schwimmteichen. Hier
passieren doppelt so viele Unfälle wie in Freibädern. Der
Intensivmediziner Thomas Wagner empfiehlt eine Umzäunung und ein
Schloss, das Kinder nicht öffnen können. Planen reichen nicht aus.
Einstiegsleitern und Rutschen sollten entfernt werden, wenn gerade
nicht gebadet wird.

Zwtl.: Aufsichtsperson dezidiert benennen

Thomas Wagner betont, dass Kinder niemals unbeobachtet sein
dürfen, auch nicht für kurze Momente, um etwa aufs WC zu gehen oder
einen Anruf anzunehmen. Vor allem in großen Gruppen wird die
Situation schnell unübersichtlich. „Eine konkrete Person muss ernannt
werden, die ausschließlich für die Aufsicht der Kinder im Wasser
zuständig ist“. Ein weiterer wichtiger Rat des Intensivmediziners:
„Sollte ein Kind verschwunden sein, dann immer zuerst im Wasser
suchen. Viele Eltern suchen zunächst im Haus. Dadurch wird ein
Ertrinkungsunfall im privaten Bereich oft zu spät bemerkt.“

Zwtl.: Schwimmkenntnisse und Schwimmhilfen nicht überschätzen

Neben der mangelnden Aufsicht sind fehlende Schwimmkenntnisse die
Hauptursache für Ertrinkungsunfälle. „Erschreckend viele Kinder
können nicht schwimmen. Dabei ist es wichtig, möglichst früh
schwimmen zu lernen. Bereits ab einem Altern von 3 Jahren können die
Grundlagen gelernt werden“, erklärt Thomas Wagner aus der Klinik
Donaustadt. Leider werden vorhandene Schwimmkenntnisse oft auch
überschätzt. Haben Kinder gerade erst das Schwimmen gelernt, können
sie in ungewohnten Situationen, z.B. bei Wellen, das Gelernte schnell
vergessen. Und vor allem: Schwimmflügerl und Co. bieten zusätzliche
Sicherheit, ersetzen jedoch niemals die Aufsichtsperson. Ein weiterer
Tipp: „Bringen Sie Kleinkindern bei, nur mit Erwachsenen zum Wasser
zu gehen und älteren, ausschließlich zu zweit zu schwimmen.“

Zwtl.: Erste-Hilfe-Kurs besuchen

Geht ein Kind unter, müssen Erwachsene sofort die Rettungskette
aktivieren und anschließend mit der Beatmung beginnen. „Das
Entscheidende ist, die Luft in die Lunge des Kindes zu bekommen, wenn
es nicht mehr atmet“, so Thomas Wagner. Alle anderen Versuche
verzögern die lebensrettenden Wiederbelebungsmaßnahmen. Eltern legt
der Intensivmediziner außerdem nahe, einen Erste-Hilfe-Kurs zu
belegen, um im Ernstfall schnell und richtig reagieren zu können.