Wien (OTS) – Rund 170.000 Menschen in Österreich leben Schätzungen
zufolge mit
einer Demenzerkrankung. Dennoch ist Demenz nach wie vor mit
Unsicherheit, Stigmatisierung, Ängsten und Tabus verbunden.
Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September stellt das Projekt
„Ankerpunkte“ deshalb eine Frage, die über medizinische und
pflegerische Aspekte hinausgeht: Wie können Menschen mit Demenz
selbstverständlich am gesellschaftlichen und kulturellen Leben
teilhaben? Das Projekt wird unter der Leitung des Open Innovation in
Science Center der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG OIS Center)
gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und
Menschenrechte (LBI-GMR) umgesetzt. Als Praxispartner bringt der
Verein Nachbarschaftskultur lokale Expertise und Vernetzung ein und
unterstützt die partizipative Umsetzung vor Ort.
„Menschen mit Demenz sind nicht nur Patient:innen oder
Pflegebedürftige. Sie haben Interessen, Bedürfnisse und den Wunsch
nach Austausch und gesellschaftlicher Teilhabe. Mit ‚Ankerpunkte‘
wollen wir erproben, wie künstlerisch-kreative Begegnungsräume dazu
beitragen können, Menschen mit und ohne Demenz zusammenzubringen und
Berührungsängste abzubauen“, erklärt Andrea Schmidt, Projektleitung
und Senior Expert im LBG OIS Center.
Zwtl.: Begegnung statt Rückzug
„Ankerpunkte“ wurde in einem partizipativen und co-kreativen
Prozess mit Wissenschafter:innen, Demenzexpert:innen, Künstler:innen,
Community Nurses, Angehörigen sowie Betroffenen entwickelt. Bereits
im Juni 2026 wurde eine erste Serie von Workshops erprobt und
weiterentwickelt. Mit heute startet nun die zweite Workshop-Serie.
Die Angebote reichen von Zeichnen und Gestalten über Musik und
gemeinsames Singen bis zu Bewegung und Tanz. Sie richten sich an
Menschen mit und ohne Demenz, Angehörige und Interessierte.
Vorkenntnisse sind nicht notwendig.
Gerade im ländlichen Raum bestehen besondere Herausforderungen
für gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. Größere Distanzen,
eingeschränkte öffentliche Verkehrsverbindungen und ein begrenztes
Angebot an demenzsensiblen und inklusiven Aktivitäten können die
Teilnahme erschweren. Gleichzeitig bieten Gemeinden, Vereine,
Nachbarschaften und persönliche Netzwerke Möglichkeiten, direkt an
bestehende Gemeinschaften anzuknüpfen. „Ankerpunkte“ nutzt dieses
Potenzial, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort neue Möglichkeiten
für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe zu entwickeln und zu
erproben.
Zwtl.: Teilhabe ist ein Menschenrecht
Menschen mit Demenz sind vom Schutz der UN-
Behindertenrechtskonvention erfasst. Damit sind zentrale Prinzipien
wie Selbstbestimmung, Nichtdiskriminierung, Inklusion, Partizipation
und Barrierefreiheit auch für den gesellschaftlichen und kulturellen
Umgang mit Demenz relevant. Aus menschenrechtlicher Perspektive geht
es deshalb nicht nur darum, spezielle Angebote für Menschen mit
Demenz zu schaffen. Rahmenbedingungen sollen so gestaltet werden,
dass Menschen mit Demenz gleichberechtigt und selbstbestimmt am
gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können.
„Menschen mit Demenz sind weit mehr als ihre Diagnose. Wir müssen
sie mit ihren Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen ernst nehmen
und ihre Würde achten. Dazu gehört, Barrieren abzubauen und
Bedingungen zu schaffen, unter denen sie selbstbestimmt am
gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können. Projekte
wie ‚Ankerpunkte‘ können dazu einen wichtigen Beitrag leisten“,
erklärt Sabine Mandl, Senior Researcher am LBI-GMR.
Zwtl.: Was aus den Erfahrungen im Waldviertel gelernt werden kann
Das LBG OIS Center führt die wissenschaftliche Begleitung von
„Ankerpunkte“ gemeinsam mit dem LBI-GMR durch. Untersucht wird, wie
Menschen mit und ohne Demenz gemeinsame kreativ-künstlerische
Interventionen erleben, und welche Gelingensbedingungen sich daraus
für ebensolche Angebote ableiten lassen. „Die gewonnenen Erfahrungen
sollen über die im Projekt beteiligte Region hinaus nutzbar werden“,
erklärt Schmidt. Geplant ist ein praxisorientiertes Handbuch, das
insbesondere Gemeinden erprobte Ansätze und praktische Erfahrungen
zur Verfügung stellt und sie dabei unterstützen soll, entsprechende
Angebote im eigenen lokalen Umfeld umzusetzen.
Zwtl.: „Ankerpunkte“-Termine im Waldviertel
Die Angebote richten sich an Menschen mit und ohne Demenz,
Angehörige und Interessierte. Die Teilnahme ist kostenlos,
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Zeichnen und Gestalten mit Anne Glassner | Pfarrhaus Sallingberg
– 23. September, 14.00–16.00 Uhr
– 7. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
– 22. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
– 18. November, 14.00–16.00 Uhr
Musik mit Eveline Hieblinger und Josef Richter | Gasthaus Hörndl,
Neupölla
– 15. September, 14.00–16.00 Uhr
– 6. Oktober, 14.00–16.00 Uhr
– 20. Oktober, 14.00–16.00 Uhr
– 3. November, 14.00–16.00 Uhr
Bewegung und Tanz mit Cornelia Voglmayr | Sportrestaurant Hinger,
Waldenstein
– 25. September, 14.30–16.30 Uhr
– 16. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
– 30. Oktober, 14.30–16.30 Uhr
– 13. November, 10.00–12.00 Uhr
Zwtl.: Forschung und Kunst treffen am 21. September auch in Wien
aufeinander
Anlässlich des Welt-Alzheimertags bringen das LBG OIS Center und
die Universität für angewandte Kunst Wien die Bereiche Forschung,
Kunst und Praxis zusammen. Unter dem Titel „Vom Erinnern und
Vergessen: Neue Perspektiven auf Demenz durch Forschung und Kunst“
treffen die Projekte „Ankerpunkte“ und „DEMEDARTS“ aufeinander. Die
Veranstaltung richtet sich an Demenzexpert:innen, Künstler:innen,
Forschende, Politiker:innen, Betroffene, Vertreter:innen von
Interessensgruppen und alle Interessierten. Die Veranstaltung findet
am Montag, 21. September 2026, von 18.00 bis 20.00 Uhr in der
Kassenhalle der ehemaligen Postsparkasse, Georg-Coch-Platz 2, 1010
Wien statt. Weitere Informationen: https://ois.lbg.ac.at/events/vom-
erinnern-und-vergessen-neue-perspektiven-auf-demenz-durch-forschung-
und-kunst/