Graz (OTS) – Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) begrüßt den für 20.
August
angekündigten Hitzegipfel der steirischen Landesregierung und fordert
konkrete Maßnahmen für Beschäftigte, die bei großer Hitze im Freien
arbeiten. GBH-Bundesvorsitzender Abg. z. NR Josef Muchitsch fordert
das Land auf, bei Bauaufträgen in seinem Einflussbereich auf Pönalen
bei hitzebedingten Arbeitsunterbrechungen zu verzichten und einen
Arbeitsbeginn ab 5 Uhr bei großer Hitze in der gesamten Steiermark zu
ermöglichen. Gleichzeitig fordert die GBH, als Vertretung der
Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter in den Hitzegipfel eingebunden zu
werden.
Die GBH vertritt mit den Bauarbeiterinnen und Bauarbeitern eine
Berufsgruppe, die von zunehmenden Hitzewellen besonders betroffen
ist. Sie bringt langjährige Erfahrung, Daten und vor allem das Wissen
direkt von den Baustellen mit. Wer über wirksamen Hitzeschutz berät,
muss deshalb auch die Vertretung der Beschäftigten an den Tisch
holen. „Der Klimawandel verändert unsere Arbeitswelt. Deshalb müssen
wir auch den Arbeitnehmerschutz weiterentwickeln und die
Arbeitsbedingungen anpassen. Wer über Hitzeschutz spricht, darf auf
jene Menschen nicht vergessen, die bei 30, 35 Grad und mehr im Freien
arbeiten. Unsere Bauarbeiter können der Hitze nicht ausweichen. Die
Gesundheit der Beschäftigten muss über jedem Fertigstellungstermin
stehen“, sagt Muchitsch.
Keine Pönalen für Hitzeschutz
Betriebe dürfen bei Bauaufträgen im Einflussbereich des Landes
nicht bestraft werden, wenn Arbeiten aufgrund großer Hitze zum Schutz
der Beschäftigten unterbrochen oder Arbeitszeiten angepasst werden.
„Es kann nicht sein, dass ein Betrieb seine Beschäftigten vor
extremer Hitze schützt und dafür eine Pönale zahlen muss, weil sich
die Bauzeit verlängert. Das Land hat hier selbst einen Hebel in der
Hand. Hitzeschutz muss bereits bei Ausschreibungen und Bauzeitplänen
berücksichtigt werden. Wer seine Beschäftigten schützt, darf keinen
wirtschaftlichen Nachteil haben. Im Gegenteil: Unternehmen, die
Verantwortung übernehmen, müssen einen Wettbewerbsvorteil erhalten“,
fordert Muchitsch.
Arbeitsbeginn ab 5 Uhr in der gesamten Steiermark ermöglichen
An besonders heißen Tagen sollen die kühleren Morgenstunden
stärker genutzt werden können, um die Belastung für die Beschäftigten
zu reduzieren. „Wenn für den Nachmittag 35 Grad und mehr vorhergesagt
werden, müssen wir Arbeit anders organisieren können. Jede Stunde,
die wir aus der größten Tageshitze in die kühleren Morgenstunden
verlegen können, hilft unseren Kolleg:innen auf den Baustellen“, sagt
der steirische GBH-Landesgeschäftsführer Andreas Linke.
Die GBH fordert deshalb eine steiermarkweit einheitliche Lösung,
die bei großer Hitze einen Arbeitsbeginn bereits ab 5 Uhr ermöglicht.
Der steirische GBH-Landesvorsitzende Christian Supper: „Es darf
beim Hitzeschutz keinen Unterschied machen, in welcher steirischen
Gemeinde gerade gebaut wird. Wir brauchen eine einheitliche Lösung
für die gesamte Steiermark. Das schafft Klarheit für Beschäftigte,
Betriebe und Auftraggeber. Wir wissen aus erster Hand, was Hitze auf
den Baustellen bedeutet und welche Maßnahmen in der Praxis
funktionieren. Dieses Wissen wollen wir beim Hitzegipfel einbringen.
Wer über die Bauarbeiter:innen spricht, sollte auch mit ihrer
Vertretung sprechen.“
GBH: „Kein Bautermin darf wichtiger sein als die Gesundheit“
Für die GBH muss der Hitzegipfel konkrete Ergebnisse bringen.
Hitzewellen werden die Arbeitswelt künftig noch stärker fordern.
Deshalb müssen Arbeitnehmerschutz und Arbeitsorganisation an den
Klimawandel angepasst werden. Keine Pönalen bei hitzebedingten
Arbeitsunterbrechungen und ein Arbeitsbeginn ab 5 Uhr bei großer
Hitze sind zwei konkrete Maßnahmen, die sofort helfen können.
Muchitsch richtet auch eine klare Botschaft an all jene, die
trotz extremer Temperaturen auf die Einhaltung von Bauzeiten drängen:
„Kein Bautermin darf wichtiger sein als die Gesundheit der
Beschäftigten. Bei 35 Grad und mehr körperlich schwer zu arbeiten,
ist unmenschlich. Und wer glaubt, dass man bei solchen Temperaturen
einfach weiterarbeiten kann, den lade ich gerne ein, nur eine Stunde
mit unseren Kollegen auf einer Baustelle mitzuarbeiten. Ich bin
überzeugt: Danach sieht die Diskussion ganz anders aus.“
Das Land Steiermark habe gerade bei eigenen und landesnahen
Bauprojekten die Möglichkeit, mit gutem Beispiel voranzugehen. Die
GBH abschließend: „Die Steiermark kann hier zeigen, wie wir
Arbeitnehmer:innenschutz an den Klimawandel anpassen und gleichzeitig
verantwortungsvolle Betriebe stärken. Wir bringen die Erfahrung von
den Baustellen und konkrete Lösungen mit. Dieses Wissen sollte das
Land beim Hitzegipfel nutzen.“
Über die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH):
Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) ist die österreichische
Gewerkschaft für rund 240.000 Beschäftigte in der Bau-, Holz- und
Steinbranche. Sie verhandelt Kollektivverträge, setzt sich für faire
Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit ein und
kämpft für faire öffentliche Vergaben sowie konsequent gegen Lohn-
und Sozialdumping. Ziel ist der Schutz der Beschäftigten und fairer
Wettbewerb für jene Betriebe, die sich an die Regeln halten.
Bundesvorsitzender der GBH ist Josef Muchitsch.