Schiltern, Brüssel (OTS) – Eine repräsentative Umfrage in fünf
EU-Mitgliedstaaten zeigt: Mehr
als 80 Prozent der Bevölkerung lehnen Patente auf Pflanzen oder Tiere
ab. Vor der entscheidenden Abstimmung über neue Regeln zur Gentechnik
in der EU fordert ARCHE NOAH das EU-Parlament auf, diese klare
Botschaft der Bürger:innen umzusetzen und derartige Patente wirksam
zu verbieten. „ Quer durch Europa ist das Bild klar: Die Menschen
wollen keine Patente auf Pflanzen “ , sagt Katherine Dolan von ARCHE
NOAH. „Patente auf Pflanzen und ihre Eigenschaften nehmen uns die
Kontrolle über unsere eigene Ernährung und legen sie in die Hände
weniger Konzerne. Die Politik muss dringend handeln – im Sinn der
eigenen Wähler:innen, der österreichischen Landwirt:innen und der
mittelständischen Züchtungsunternehmen. “
Die aktuelle Umfrage wurde im Auftrag des internationalen
Bündnisses „No Patents on Seeds!“ vom deutschen
Meinungsforschungsinstitut Civey in Frankreich, Deutschland, Italien,
den Niederlanden und Polen durchgeführt. Den jeweils 1.000 Befragten
wurden vier Fragen gestellt. Die meiste Unterstützung – mehr als 90
Prozent – erhielt die Aussage, dass Vielfalt in der Pflanzenzüchtung
und der Lebensmittelproduktion entscheidend ist. Fast ebenso viele
Befragte fordern, dass bei Patenten auf gentechnisch veränderte
Pflanzen und bei deren Marktzulassung der Schutz der Umwelt einen
hohen Stellenwert haben muss. Zudem lehnen 75 Prozent Patente auf
Gene ab, die frei in der Natur vorkommen oder zufällig entstanden
sind.
Mit Patenten auf Pflanzen sichern sich Konzerne Exklusiv-Rechte
auf wichtige Eigenschaften – etwa bestimmte Virus-Resistenzen oder
Hitzetoleranz. Damit ist auch die klassische Pflanzenzucht in
Österreich bedroht. „Patente zementieren die Macht der dominanten
Saatgut-Konzerne weiter ein und bedrohen die Vielfalt in der
Pflanzenzüchtung und der Lebensmittelproduktion“ , warnt Katherine
Dolan. Auch der deutsche Bauernverband und der Bundesverband
Deutscher Pflanzenzüchter e. V. haben in einem gemeinsamen Papier mit
der Bio-Branche und kirchlichen Vertreter:innen Alarm geschlagen.
Anlass für die großangelegte repräsentative Umfrage: Bereits
Mitte Mai könnte das EU-Parlament die neue „NGT-Verordnung“ absegnen
– wobei unter anderem das Thema Patente auf Pflanzen für heftige
Diskussionen sorgt. Das EU-Parlament hat sich ursprünglich dafür
ausgesprochen, Patente auf Pflanzen drastisch einzuschränken – nur
transgene Pflanzen der „alten Gentechnik“ sollten noch patentierbar
sein. Der Text, der bereits im Mai zur Abstimmung kommt, ist das
Ergebnis der Trilog-Verhandlungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten,
der Kommission und dem Parlament. Er enthält allerdings keine
entsprechenden Regelungen, womit auch die klassische, gentechnik-
freie Pflanzenzucht stark betroffen ist.
„Der Gesetzesvorschlag widerspricht der Meinung der
Bevölkerungsmehrheit sowie der Position des EU-Parlaments. Wenn die
EU-Abgeordneten die Verordnung in ihrer jetzigen Form annehmen,
ignorieren sie die Interessen der eigenen Wähler:innen, der
europäischen Bäuer:innen und der mittelständischen Züchter:innen “ ,
so Katherine Dolan von ARCHE NOAH.
In Österreich äußern sich alle politischen Parteien gegen die
Patentierung von Pflanzen. Der Einsatz der Parlamentarier:innen ist
allerdings zumindest bei einigen EU-Abgeordneten nur halbherzig. Bei
der ersten Abstimmung im Umweltausschuss des EU-Parlaments über das
Trilog-Ergebnis am 28. Jänner 2026 war aus Österreich nur die NEOS-
Abgeordnete Anna Stürghk anwesend und hat für den Kompromiss – und
damit implizit für die umstrittenen Patente – gestimmt. Lena
Schilling (Grüne) und Günther Sidl (SPÖ) haben sich vertreten lassen,
lehnen den Gesetzesentwurf aber laut eigenen Aussagen klar ab. Der
ÖVP-Abgeordnete Alexander Bernhuber und der FPÖ-Abgeordnete Roman
Haider waren bei der Abstimmung nicht anwesend und haben auf eine
Anfrage von ARCHE NOAH nach den Gründen ihres Fernbleibens auch nicht
reagiert, obwohl sich ihre Parteien offiziell gegen Patente auf
Pflanzen aussprechen.
„ Die finale Abstimmung dürfte äußerst knapp ausfallen. Deshalb
sind die Anwesenheit und das Stimmverhalten unserer EU-Abgeordneten
wesentlich für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft und
der mittelständischen Züchtungsbetriebe “ , appelliert Katherine
Dolan.
Link zur Studie: www.no-patents-on-seeds.org/en/survey
Gemeinsame Stellungnahme der deutschen Verbände: www.bdp-
online.de/de/Branche/Patentschutz/2025-06-
12_Positionspapaier_Biopatente_final_komplett.pdf